Leben Ohne Plastik

Leben ohne Plastik

 

Wenn man in andere Länder rüberschaut, könnte man meinen Deutschland sei mülltechnisch ganz gut aufgestellt. Wir führen zwar kein Leben ohne Plastik, aber wir trennen brav, recyceln, bringen Flaschen zum Container und sortieren diese sogar nach Weiß-, Grün und Braunglas. Für uns sind Flaschenpfand, Altpapier und Kompostieren keine Fremdwörter. 

Aber wir leben auch in einer Konsumgesellschaft und produzieren im EU-Vergleich deutlich mehr Verpackungsmüll als unsere Nachbarländer. Wir sind in Europa absolute Spitzenreiter in der Müllproduktion – während in anderen Ländern durchschnittlich rund 167 Kilogramm Müll pro Kopf und Jahr anfallen, sind es in Deutschland rund 220 Kilogramm. Ein ganz schön trauriger erster Platz.

 

Wo landet der ganze Müll?

Mit dem Gang zum Mülleimer – Tonne auf, Tonne zu – ist für die meisten Menschen das Müllproblem erledigt. Alle zwei oder vier Wochen werden die Tonnen abgeholt und dann ist der Müll weg. Aus den Augen, aus dem Sinn. Aber was passiert dann mit dem Müll? Wo landen unsere ganzen leeren Duschgelflaschen, Cremedöschen und Plastikverpackungen? 

Ein Teil unseres Mülls kann recycelt werden, bei weitem leider nicht alles. Nur knapp die Hälfte des getrennt entsorgten Plastikmülls wird wieder aufbereitet. Die andere Hälfte landet in Müllverbrennungsanlagen, wodurch wiederum Giftstoffe in die Umwelt gelangen, oder wird nach China verschifft. Der Müll wird per Hand sortiert und alles Brauchbare wird wiederverwendet. Was mit dem Plastik passiert, das nicht genutzt werden kann, bleibt unklar. Man geht davon aus, dass Müll sowohl vergraben, als auch ins Meer verschifft wird.

 

Great Pacific Garbage Patch

Im Pazifischen Ozean zwischen Hawaii und Nordamerika gibt es eine Müllinsel. Schon mal davon gehört?  

„Great Pacific Garbage Patch“ heißt diese Insel, die, wäre sie eine echte Insel, eine wunderschöne Lage und genügend Platz für Einwohner und Urlauber hätte. Doch der „Great Pacific Garbage Patch“ verfügt weder über Sandstrand noch Palmen – er besteht ausschließlich aus Müll. Plastik-Müll.

Der Müllfleck wächst immer weiter und ist mittlerweile rund viermal so groß wie Deutschland.

Auf einer Fläche von 1,6 Millionen Quadratkilometern befinden sich 80 000 Tonnen Müll bestehend aus Flaschen, Containern, Fischernetzen, Mikropartikeln und sonstigem Unrat.

Kann man sich das vorstellen? Eine Insel, die viermal so groß ist, wie Deutschland und ausschließlich aus Müll besteht? Uns fällt das schwer.

 

Eine Plastikflasche braucht 450 Jahre, bis sie zersetzt ist

Selbst wenn wir davon ausgehen, dass der Müll nach einer gewissen Zeit durch Sonneneinstrahlung und Salzwasser zersetzt wird, bleiben Mikroplastikteilchen zurürck. Plastiktüten brauchen etwa 20 Jahre, bis sie sich in ihre Bestandteile auflösen, Getränkedosen 200 Jahre, Plastikflaschen und Einwegwindeln 450 Jahre. Mikroplastikteilchen bleiben zurück und werden von Fischen, Krebsen und über die Nahrungskette auch von Vögeln und letztendlich von uns Menschen gegessen. Wir essen also den Müll, den wir selbst im Meer abgeliefert haben…

 

Zeit umzudenken!

Zeit, sich an die eigene Nase zu fassen! Zeit für ein Leben ohne Plastik oder zumindest einen bewussteren Umgang mit Plastik.

Denn durch unachtsames Kaufen und Konsumieren, werden täglich 3,5 Millionen Tonnen Müll produziert.

Schauen wir kritisch auf unser eigenes Konsumverhalten, wird einem klar, wie es zu dieser Zahl kommen kann. Beim Einkaufen gibt es fast so viel Plastik, wie angebotene Produkte. Und der Griff zur Plastiktüte geschieht vollautomatisch. 6 Milliarden Plastiktüten werden jedes Jahr in Deutschland verbraucht, wobei die Gebrauchsdauer einer einzelnen Tüte bei gerade einmal 25 Minuten liegt. Ein viel zu kurzer Zeitabschnitt, der in keiner Relation zur extrem langen Beständigkeit von Plastik steht. 

 

Leben ohne Plastik

Die Umstellung auf ein Leben ohne Plastik erfordert Mut, Geduld und vor allem Disziplin. Aber wir können klein anfangen. Jeder von uns kann seinen Beitrag dazu leisten, dass unsere Umwelt plastikfreier wird und unsere Gesellschaft bewusster konsumiert.

Eigentlich ist es gar nicht so schwer, ein Leben ohne Plastik zu führen. Man muss nur den Anfang wagen. Zur Anregung haben wir für euch einige Dinge aufgeschrieben, die wir alle auf der Stelle ändern können. Wir müssen es nur machen. Los geht´s!

 

  • Getränke in Glasflaschen kaufen
  • Milch und Joghurt in Glasbehältern kaufen
  • Plastikstrohhalme durch Edelstahl, Papier oder Bambus ersetzen
  • Jutebeutel oder Einkaufskorb verwenden
  • Seife anstatt Duschgel verwenden
  • Rasierer aus Metall oder Holz verwenden, nicht Einweg
  • bei Wattestäbchen, Zahnbürsten und Haarbürsten auf Holz oder Bambus umstellen
  • eigenen Kaffeebecher aus Edelstahl verwenden
  • auch für Restmüll Bio Müllbeutel verwenden, die 100% biologisch abbaubar und kompostierbar sind
  • Kaffeekapseln aus dem Alltag verbannen
  • Fleisch und Käse an der Theke direkt in Boxen packen lassen
  • Eis aus dem Hörnchen nicht aus beschichteten Plastikbecher
  • Schild „Keine Werbung!“ auf den Briefkasten kleben
  • vorhandenes Plastik nicht wegschmeißen, sondern so lange es geht wiederverwenden
  • wiederverwendbare Backmatten, Küchenrolle und Abschminkpads nutzen
  • in verpackungsfreien Supermärkten einkaufen
  • auf dem Wochenmarkt einkaufen
  • leih mal wieder etwas, anstatt alles zu kaufen
  • erzähle deinen Freunden davon, so dass immer mehr Menschen bewusster leben