Make Coffee Not War

Kennst du das auch? Dieser Duft von frisch gemahlenem Kaffee und all die Erinnerungen und Bilder, die dir zeitgleich in den Kopf schießen? 

Als du in deiner Kindheit bei Omi am Wohnzimmertisch saßt – an diesem kleinen, massiven Tisch aus dunklem Holz, der diese Kurbel an der Seite hatte, die du stundenlang gedreht & große Augen gemacht hast, als der Tisch immer wieder, wie durch Zauberhand hoch und mit einem leisen Quietschen herunter fuhr. Damals gab es noch keinen Schnick Schnack, wie Latte Macchiato, Cappuccino, Frozen Iced Latte, Soja-, Minus L- oder 0,1 prozentige-Milch. Es gab Kaffee. Punkt. Aus einer Maschine, in die man einen dieser braunen Filter gesteckt hat. 6 Tassen Kaffee gleich 6 Löffel gemahlenen Kaffee plus einen Löffel für die Maschine. Und dann gab es Omi´s leckeren, selbstgemachten Apfelstreusel dazu, mit Äpfeln vom eigenen Baum. Das war der beste Apfelkuchen, den du je gegessen hast.

Der Duft von frisch gemahlenem Kaffee, als du als Teenie mit deinen Mädels und Jungs im hippsten Café der Stadt saßt und deinen ersten Milchkaffee getrunken hast. Weil ihn jeder getrunken hat. Weil es cool war. Weil du dazu gehören wolltest. Das Geräusch der elektrischen Mühle, die die Arabicabohnen zerkleinerte, der typische Kaffeeduft, der in deine Nase drang. Nur der erste Schluck, war anders, als du ihn dir immer vorgestellt hattest. Was hatten denn eigentlich immer alle erwachsenen mit diesem Kaffee? Er war einfach nur schrecklich bitter und selbst mit mehreren Löffeln Zucker, ungenießbar. Natürlich hast du dir nichts anmerken lassen, schließlich saß dir dein Schwarm direkt gegenüber, aber lecker war definitif anders.   

Der Kaffee am Morgen danach. Als du verkatert in dieser dir fremden Wohnung aufgewacht bist und etwas verschämt, aber glücklich, abenteuerlustig und herausfordernd, deinem Gegenüber in die Augen geschaut hast, während er dir eine Kaffeetasse ins Bett reichte. Du hattest keine Ahnung, was die vergangene Nacht für deine Zukunft bedeuten würde, aber das interessierte dich auch nicht im Geringsten. Es war der Moment, der zählte.

Weißt du noch, als du mit deiner besten Freundin an einem heißen Sommertag im Bikini auf dem Balkon eurer WG saßt und ihr feststellen musstet, dass euch der Kaffee ausgegangen war? Wie sie sich schnell in ein Shirt zwängte, dass an ihrer mit Sonnenmilch gecremten Haut kleben blieb, dir zuzwinkerte und sagte „Keine Panik! Ich Regel das!“ Wie ihr beide herzlich gelacht habt und der Cappuccino im Pappbecher vom Kiosk nebenan, auf einmal wie der beste Cappuccino der Welt schmeckte. Einfach nur, weil der Moment so schön war. Erinnerst du dich?

All die Momente, in denen dir dein Partner Kaffee ans Bett gebracht hat, du mit deinen Eltern gemütlich zusammen saßt und ihr über alte Geschichten gelacht habt. All die Coffee To Gos auf dem Weg zur Arbeit, die riesigen Tassen und kleinen Espressi, die du über die Jahre genossen hast. All die überteuerten Koffeinbomben, die mit Liebe gebrühten Kaffees und auch die, die du lieber nicht getrunken hättest. All die Bilder versammeln sich in deinem Kopf, wenn du wieder den Duft von frischem Kaffee in der Nase hast. Mal das eine, dann ein anderes Bild. All die schönen, kleinen und großen Erinnerungen. 

Wie viel wunderbarer die Welt doch wäre, wenn sich alle Trumps und Putins und von Storchs dieser Welt, einfach mal einen Kaffee machen würden, anstatt Krieg anzuzetteln. Wenn sie einfach den frischen Kaffeeduft genießen und in Erinnerungen schwelgen würden. In schönen Erinnerungen. Wie du. Wie ich. Wie wir. Make Coffee. Not War.