Mikroabenteuer – Aussteiger für einen Tag 

Sind wir mal ganz ehrlich: manchmal lieben wir den Gedanken, einfach alles hinter uns zu lassen. Unseren nine to five Job hinzuschmeißen, dem grauen Alltag Lebewohl zu sagen und irgendwo, weit weg von zu Hause, ein neues Leben anzufangen. Frei zu sein. Weit weg von jeglichen Normen und Zwängen. 

Wir alle haben diese Momente. Wir alle träumen von der großen, weiten Welt. Dem Unbekannten. Dem Abenteuer Leben. Aber dann klingelt der Wecker, die Wäsche ist fertig, das Kind muss von der Schule abgeholt werden oder die Steuer hat am nächsten Morgen fertig zu sein. Und weg ist er wieder, der Traum von Freiheit uns Selbstbestimmung. 

In einer Zeit, in der „Digitaler Nomade“ oder „Virtual Assistant“ zu den Berufswünschen Nummer Eins zählt, wird die innere Stimme immer lauter, die dich fragt: ist das wirklich das Leben, das du dir gewünscht hast? Möchtest du so bis ans Ende deiner Tage leben? Bist du wirklich glücklich? Oder ist dein Glück nur die Tarnung für eingefahrene Tristesse und unzufriedenes Strampeln im ach so kleinen Hamsterrad?

Nicht jeder hat die Möglichkeit sein Leben hinter sich zu lassen. Oder vielleicht steht sich der ein oder Andere auch einfach selbst im Weg? Wir denken viel nach. Vielleicht zu viel. Wir haben Familien, die wir nicht im Stich lassen möchten. Freunde, die wir vermissen würden. Kinder, die noch schulpflichtig sind, einen Job, der uns regelmäßig unsere Brötchen bezahlt. Verständlich, dass man das nicht alles aufgeben will. 

Aber warum fangen wir denn nicht einfach mal klein an? Nur ein einziger Tag, an dem wir das Gefühl haben, dass wir selbst bestimmt haben, wo es lang geht, dass wir es waren, die den Ton angegeben haben, gibt uns so viel Kraft und Aufwind für die kommenden Tage. Ab in die Natur, Augen und Ohren auf, Freiheit atmen und den Moment genießen. Warum machen wir das so selten? Warum gönnen wir uns so wenig Zeit mit uns selbst? Vielleicht wäre doch das ein erster Schritt. Ein kleines erstes Abenteuer, sozusagen ein Mikroabenteuer, das unseren Adrenalin- und Endorphinspiegel in die Höhe treibt. Das uns mal wieder zum Lachen bringt. So richtig. Weißt du, wann du zum letzten Mal herzlich gelacht hast? 

Den Begriff Mikroabenteuer gibt es tatsächlich. Der britische Abenteurer Alastair Humphreys hat 2014 das Buch „Microadventures“ veröffentlicht, womit das Wort geboren wurde. 

Wenn man nach Alastair Humphreys geht, sind Mikroabenteuer kurze, einfache, günstige und trotzdem aufregende, herausfordernde und bereichernde Abenteuer, die dir helfen deinem Alltag für einen Moment den Rücken zuzukehren. Die Idee des Mikroabenteuers ist es, ohne lange Vorbereitungen, Recherchen und Ausgaben, einfach anzufangen. Heute. Nicht morgen. Jetzt. Nicht in zwei Stunden. Genau in diesem Moment aus seinen bekannten Mustern auszubrechen und etwas Neues zu tun. Etwas, das man noch nie zuvor getan hat. Weißt du, wann du das letzte Mal etwas zum ersten Mal getan hast?

Auszuwandern, ein neues Leben anzufangen, Jahrzehnte hinter sich zu lassen und wegzugehen ist nicht jedermanns Sache und erfordert sicherlich eine Menge Mut. Aber über den Tellerrand zu schauen, deine Komfortzone vielleicht nur für ein paar Stunden oder einen kompletten Tag zu verlassen, ein kleines erstes Abenteuer in deiner gewohnten Umgebung zu erleben und sie dadurch durch andere Augen zu betrachten, das kann jeder. Man muss es nur machen. Warum nicht einfach anfangen? Es könnte ja gute werden!